NachGedacht

Das Gefängnis im Kopf

Es ist lange her, daß ich ein Märchen schrieb über einen Mann, der sich aus unerfindlichen Gründen in einem Kerker wiederfand. Allein ein kleines Fenster bot ihm das fahle Licht der selten einfallenden Sonnenstrahlen, ansonsten hüllte ihn Dunkelheit ein. Diese schwarze Decke, die ihm einerseits Schutz bot, in der sich im Gewebe aber auch tiefgehende Angst eingeflochten fand. Diese übermächtige Angst, die ihn immer wieder ansprang und ihn in den Abgrund der Verzweiflung stützen ließ.

Anfangs suchte er noch einen Weg hinaus, kratzte an den Wänden, versuchte durch die kleine Öffnung ins Freie zu gelangen, träumte von der Freiheit - dem Leben, das er nicht verloren geben wollte. Rief, Schrie - wütete.

Doch die Kräfte schwanden, letztlich ergab er sich in das Gegebene und begriff nicht, daß es da doch eine Tür gab, die er nie gefunden hatte. Eine Tür die ihm den Weg zurück ins Leben ermöglicht hätte.

Er war blind dafür den anderen Weg gegangen - den aus dem Leben.

Ich kann mich genau an die Zeit erinnern, da dieses Märchen entstanden ist, bis vor kurzem noch entsprach es genau dem, was ich fühlte. Frage mich, wann sich da etwas veränderte, so daß ich heute sagen kann - das WAR. Festmachen läßt sich nur der Tag X, als ich aus meinem tiefen Inneren heraus eine Entscheidung traf und den Schritt durch die Tür wagte. - Und neben Angst etwas fand, was mich tief erfüllt und mir steten Mut gibt. Diese innere Gewißheit: Ich schaffe das, Schritt für Schritt. Ich lebe - und ich will leben. Es ist die Freude am Sein und Tun, die mir so hoffnungslos verloren schien, die mich seither erfüllt bei allem wenn und aber.

So möchte ich allen, die das Gefühl in sich tragen, das Leben fände hinter der Wand, vor der sie stehen, gefangen fühlen, Zuspruch geben und Mut machen, nicht aufzugeben bei der Suche. Ich selbst habe nun 20 Jahre gebraucht, um die Tür für mich zu entdecken. Verlorene Jahre? Könnte man so sehen und urteilen, für mich selbst ist es der Weg an sich, den ich beging und ohne den ich diese Tür nicht entdeckt hätte und so kann ich Frieden mit mir schließen und nun Schritt für Schritt weitergehen.

Manmal sind es Worte, öfter Sätze, die hängenbleiben und nachwirken

"Glaub nicht alles, was du denkst!"

Ein Satz, auf den eine Freundin mich hinwies und der sich festgesetzt hat. Mich öfter innehalten läßt in meinen Gedankenwanderungen mit der Frage - stimmt das wirklich?

So entdecke ich doch Schubladen, die ich bislang übersehen oder noch nicht aufgespürt habe und die es zu entrümpeln gilt. Glaub nicht alles, was du denkst. Leichter ist es andere darauf hinzuweisen, daß Unsicherheiten unbegründet, das eigene Urteil über sich selbst unangemessen und da trotz gefühlter Schwäche soviel Stärke ist.

Auch wenn ich mich persönlich eigentlich als selbstkritischen Menschen betrachte oder betrachten möchte, so erweckte dieser Satz doch ein bisland halbgeschlossenes Auge für das, was alles in allem nicht so glaubhaft, bedenkens-wert ist. Was althergebracht und internalisiert an alten Stimmen in mir vorherrscht. Sich näher betrachtet, längst der Vergangenheit anheimgefallen ist. Sich festgebissen hat in meinem Kopf und sich auf meine Wahnehmung auswirkt. Und spüre dabei, wie ich mich von manch inneren Gefängnissen freizuschaufeln beginnen will. Eine Abenteuerreise, die ich gerne antrete.

Für derartige Gedankenarbeit möchte ich gerne auf ein Buch hinweisen, auf das ich immer wieder zurückgreife.

Ich bin o.k. - Du bist o.k.

Thomas A. Harris hat zusammen mit Eric Berne («Spiele der Erwachsenen») die Transaktionsanalyse wissenschaftlich begründet und praktisch erprobt. Das vorliegende Buch ist die Summe seiner zehnjährigen Arbeit mit einzelnen und Gruppen. Harris erklärt an anschaulichen Beispielen aus dem Alltagsleben die vier Grundeinstellungen, die das Verhalten aller Menschen bestimmen. Er wendet sein System an auf Probleme in der Ehe und bei der Kindererziehung, auf psychische und geistige Störungen, auf Aggression und Gewalt, auf die Generationenkonflikte, auf Vorurteile gegenüber Minderheiten, auf Fragen der Kreativität, Schwierigkeiten in der Pubertätszeit, ethische und religiöse Überzeugungen und internationale Spannungen.

In unserer aktuellen Ausgabe haben wir einen Artikel über die Freiheit über das eigene Leben selbst zu entscheiden und dies in aller Konsequenz. Mit anderen Worten - jeder Mensch sollte auch über die eigene Lebenszeit selbstverantwortlich entscheiden können. Da die Diskussionen und Debatten  über die Sterbehilfe immer mal wieder entflammen, das Thema an sich aber mit einem Tabu befrachtet ist, so ist hier Raum für Ihre Gedanken dazu, Ihre Meinung und hoffentlich eine Diskussion.

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